System
Safety

Militärische Systeme müssen nicht nur funktionieren – sie müssen nachweislich sicher sein. MIL-STD-882E definiert den gesamten Prozess von der Gefahrenidentifikation bis zur Restrisikobewilligung.

MIL-STD-882E DEF STAN 00-56 ARP 4761

Normen im Cluster

MIL-STD-882E

System Safety

MIL-STD

Übergeordneter US-Standard für System Safety: definiert den gesamten Prozess von der Gefahrenidentifikation (Preliminary Hazard Analysis) über Risikobewertung (Mishap Risk Index) bis zur Restrisikobewilligung. Wird im NATO-Kontext weitgehend akzeptiert.

Preliminary Hazard List (PHL)Preliminary Hazard Analysis (PHA)System Hazard Analysis (SHA)Operating & Support Hazard Analysis (O&SHA)Software System Safety Analysis

DEF STAN 00-56

Safety Management Requirements for Defence Systems

DEF STAN

Britischer Verteidigungsstandard für Safety Management. Europäisch stark verbreitet; UK-MoD-Projekte erfordern häufig DEF STAN 00-56 statt oder zusätzlich zu MIL-STD-882.

Hazard LogSafety CaseSafety ArgumentALARP-Nachweis

System Safety als Entwicklungsprozess

System Safety ist kein einmaliger Prüfschritt, sondern ein Prozess, der parallel zur Systementwicklung läuft. MIL-STD-882E definiert diesen Prozess als „System Safety Program" (SSP) und fordert die kontinuierliche Aktualisierung einer Gefahrenanalyse (Hazard Log) über alle Entwicklungsphasen.

Der MIL-STD-882E Prozess

  • Preliminary Hazard List (PHL): Erste qualitative Identifikation potenzieller Gefahren auf System- und Subsystemebene
  • Preliminary Hazard Analysis (PHA): Qualitative Analyse mit Eintrittswahrscheinlichkeit (Probability) und Schweregrad (Severity) → Mishap Risk Index
  • System Hazard Analysis (SHA): Systemweite Analyse einschließlich Schnittstellen und Software
  • Operating & Support Hazard Analysis (O&SHA): Analyse des operativen Einsatzes, Wartung und Lagerung
  • Software System Safety Analysis (SSSA): Für softwareintensive Systeme

Der Mishap Risk Index

MIL-STD-882E kategorisiert Gefahren nach zwei Dimensionen:

  • Severity: Catastrophic (I), Critical (II), Marginal (III), Negligible (IV)
  • Probability: Frequent (A) bis Eliminated (F)

Das Resultat ist ein Mishap Risk Index (z.B. „IIA" = Critical/Frequent), der bestimmt, wer das Restrisiko formell annehmen darf und welche Mitigationsmaßnahmen nachgewiesen werden müssen.

DEF STAN 00-56 und ALARP

Britische Beschaffungen und zunehmend auch NATO-Projekte fordern DEF STAN 00-56 mit explizitem ALARP-Nachweis (As Low As Reasonably Practicable). Das bedeutet: Nicht nur die Einhaltung vordefinierter Grenzwerte, sondern ein dokumentierter Begründungsrahmen, warum das Restrisiko akzeptabel ist.

Typische Fallstricke

Viele Lieferanten verwechseln System Safety mit CE-Konformitätsbewertung oder ISO-Risikobeurteilung nach ISO 12100. Der Ansatz, Werkzeuge und die Dokumentationstiefe unterscheiden sich grundlegend.

Software-Anteile werden häufig zu spät in die System Safety Analyse einbezogen. Sicherheitskritische Softwarefunktionen erfordern eine eigene Software Safety Analysis (SSSA) und ggf. Einstufung nach DO-178C.

System Safety für Ihr Projekt

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